Das Buch erklärt erst einmal das, was Sie sich nicht zu fragen getraut haben: Inflation, Fintechs, Bitcoins, Zinsberechnung, Optionen, Hedge Funds, Private Equity, nachhaltige Wertpapiere, Kennzahlen für Aktien, Fonds, ETF’s und vieles andere. Das ist aber noch nicht alles, denn Sie werden auch lernen, wie man in Finanzfragen selbst denkt, Zusammenhänge begreift, sein eigenes Finanzkonzept bastelt und finanzielle Unabhängigkeit erreicht. Wie kann ich selbst beurteilen, ob für mich ein Wohnungskauf besser ist als Miete? Wieviel Kredit kann ich bei einer Baufinanzierung stemmen, ohne mich zu überfordern? Welche Wertpapiere sind für mich geeignet? Kann ich einem Fin-Tech vertrauen? Sind Investmentfonds wirklich 5% Ausgabeaufschlag wert? Ist Car-Sharing besser als ein Autokauf?

Wie es zu diesem Buch kam

Als Autor zahlreicher Fachbücher zum Thema Finanzen habe ich in persönlichen Gesprächen immer wieder festgestellt, dass in Deutschland -im Gegensatz zu vielen anderen Ländern- finanzielle Ahnungslosigkeit weit verbreitet ist. Dies liegt leider auch an den Fachleuten, die gerne mit hochtrabenden Worten an den normalen Menschen vorbeireden. Deshalb habe ich versucht, in enger Abstimmung mit Freunden, die wenig von Finanzen verstehen, ein Buch zu schreiben, das auch Otto und Luise Normalverbraucher verstehen können und das die wichtigsten Zusammenhänge erklärt.

Das macht dieses Buch so besonders

Die Verständlichkeit: Komplizierte Begriffe werden einfach erklärt und es wird vor allem zum „Selbst Denken“ angeregt.

Leseprobe (Seite 47-49 und 155-159 und 167-170)

Fazit zum Thema Autokauf

Diese Rechnungen geben uns Hinweise auf eine ganze Reihe von möglichen Entscheidungen:

  1. Zunächst natürlich die Frage, ob sich Frau Servatius überhaupt ein Auto anschaffen sollte.Die Gesamtkosten liegen dann zwischen etwa 30 und 40 Cent pro Kilometer (Zahlen sind gerundet), die tägliche Hin- und Rückfahrt zu ihrem 10 km entfernten Arbeitsplatz kostet sie also zwischen € 5,92 und € 8, monatlich bei 20 Arbeitstagen demnach zwischen 118 und 160 €, sofern nicht noch zusätzliche Kosten für einen Parkplatz anfallen. Sie kann das jetzt mit den Kosten etwa einer Monatskarte beim öffentlichen Verkehr vergleichen. Sie kann sich auch überlegen, ob es insgesamt besser ist, den VW 10 Jahre lang zu fahren, anstatt nach vier Jahren ein neues Auto anzuschaffen. Insgesamt sollte sie dabei immer daran denken, dass sie selbst das noch recht bescheidene Auto je nach Fahrprofil immerhin zwischen 334 und 493 € im Monat kostet. Entscheidet sie sich auch noch für ein luxuriöseres Modell, können die monatlichen Kosten durchaus um 1000 Euro erreichen und sie sollte sich dann allen Ernstes auch fragen, ob sie nicht lieber eine eigene Wohnung für dieses Geld erwerben sollte, die im Gegensatz zum Auto zumindest das Potential hat, im Wert zu steigen.
  2. Die Frage der Anschaffung des Autos enthält noch einen weiteren Aspekt: Die Fixkosten des Autos betragen insgesamt zwischen € 175 und € 208 im Monat. Das ist sozusagen der Preis dafür, dass das Auto zu jeder Zeit vor der Tür steht, noch ohne dass sie einen Kilometer gefahren ist, eine Art „Flatrate“ für die bloße Verfügbarkeit. Sie kann sich jetzt überlegen, ob ihr der Luxus einer (im Gegensatz zum öffentlichen Verkehr) jederzeitigen Verfügbarkeit eines eigenen Untersatzes diesen Betrag wert ist und vielleicht auch Car-Sharing Angebote ins Auge fassen.
  3. Wer wirklich Geld sparen will, kauft sich ein möglichst einfaches und kleines Auto (oder greift gleich zum Car-Sharing), denn die Abschreibung und dazu noch Versicherung und Steuer des größeren Modells sind der bedeutendste Kostenfaktor. Erst danach und mit einigem Abstand kommt der Benzin- oder Stromverbrauch.
  4. Wenn das Auto schon (für monatliche Fixkosten zwischen 175 und 208 €) vor der Tür steht, gelten andere Überlegungen: Inklusive einer geschätzten kilometermäßigen Abschreibung liegen die variablen Kosten pro gefahrenen Kilometer etwa zwischen 15 und 17 Cent, also kostet die Fahrt zur Arbeit hin und zurück jetzt nur noch zwischen € 3,02 und € 3,42, weil die übrigen Kosten ja auch dann anfallen, wenn sie den Wagen stehen lässt. Der Vergleich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fällt jetzt günstiger für das Auto aus. Auch bei Fahrten in den Urlaub sieht das Auto jetzt preiswerter aus, was noch besser wird, wenn mehrere Personen mitfahren und sich auch an den Kosten beteiligen. Die größte, aber nicht die einzige wichtige Position sind hier mit 9,1 Cents die des Benzinverbrauchs. Hier könnte sie sich vielleicht als Alternative die Anschaffung eines Autos mit sparsameren Verbrauch oder auch die Kosten eines E-Autos durchrechnen, was aber vermutlich wegen der höheren Anschaffungskosten deutlich höhere Fixkosten haben wird, die ja, wie wir oben gesehen haben, ohnehin der Kostenfaktor Nummer eins sind.
  5. Natürlich kann sie jetzt noch mehrere Alternativen vergleichen und optimistische und pessimistische Fälle durchrechnen: Kleineres oder größeres Auto, Dieselmotor, Elektro- oder Gasantrieb, und dann natürlich noch die Frage, ob der Benzinpreis bei 1,30 bleibt, wieder steigt oder sogar weiter fällt. Beim Auto gibt es enorme Sparmöglichkeiten nicht nur beim Anschaffungspreis, der Größe oder bei der Wahl der Servicewerkstatt. Auch Car-Sharing Angebote kann sie prüfen.
  6. Bitte verabsolutieren Sie solche Rechnungen nicht, sie sind kein Selbstzweck. Eine solche Kostenüberlegung dient lediglich dazu, ein „Preisschild“ an das Teil zu hängen, das wir uns zulegen wollen, denn wir erhalten ja einen Gegenwert: Ist die Bequemlichkeit des eigenen Autos die zusätzlichen Kosten wert? Welchen Nutzen hat das Auto außer bei der Fahrt zur Arbeit, zum Beispiel bei Einkäufen zu weit entfernten Großmärkten, als Sicherheitsfaktor, wenn Frau Servatius oft spät abends unterwegs ist oder auch einfach den Luxus, jederzeit ein Transportmittel vor der Tür stehen zu haben? Das wird individuell verschieden sein und auch davon abhängen, ob jemand in einer Stadt mit U-Bahn vor der Tür oder auf dem Land, alleine oder mit Familie und Kindern wohnt.

Ähnliche Überlegungen kann man auch beim Kauf eines Kühlschranks oder einer Waschmaschine anstellen. Besonders bei Kühlschränken lohnt es sich durchaus, auch die Betriebskosten zu achten, denn diese können die Anschaffungskosten im Laufe der Lebensdauer durchaus übersteigen……

S. 155-159

 Strategien zur Pflege eines Wertpapierdepots

Grenzen der Information

Selbst wenn Sie die Branche analysiert haben, KGV und die Gewinnentwicklung hervorragend aussehen und acht von zehn Analysten zum Kaufen raten, sind Sie vor Überraschungen nicht sicher. Ist es also egal, was wir kaufen? Nein, natürlich nicht, aber man muss wissen, wozu Kennwerte dienen: Im Grunde ermöglichen sie uns eine grobe Klassifizierung in Risikogruppen und vielleicht auch noch Ertragschancen, niemand kann mit der Analyse der Kennwerte präzise vorhersagen, wie genau sich eine bestimmte Aktie oder gar der ganze Markt entwickelt. Die Zeiten, in denen smarte Wirtschaftsabsolventen aus Harvard und Stanford Riesengewinne machen konnten, indem sie Firmen auf unterbewertete Aktienkurse analysierten, dürften aufgrund der Schnelligkeit der heutigen Märkte vorbei sein, auch wenn es gelegentlich noch solche Fälle geben soll.

Die relativ neue Wissenschaft der Verhaltensökonomie (Daniel Kahnemann, Amos Tversky, Reinhard Selten, Gerd Gigerenzer u.a.) kann uns einiges dazu sagen. Die Grundkritik dieser Denkrichtung richtet sich gegen die Annahmen vollständig rationalen Verhaltens und sie weist mit zahlreichen Experimenten nach, dass sich der Mensch eben nicht vollständig rational verhält. Dies gilt insbesondere für die Beschaffung von Information. Wenn Sie ein Restaurant aufsuchen, werden Sie nicht das gesamte Internet nach Restaurantbewertungen in ihrer Stadt durchsuchen, und auch bei Wertpapierkäufen werden Sie es vermutlich nicht anders handhaben. Kein Mensch analysiert vor einer Entscheidung sämtliche vorhandenen Daten. Viele richten sich nach Daumenregeln wie „Das hat vorher schon so funktioniert“, „andere machen das auch so“ und im Allgemeinen haben wir alle nicht so viel Zeit und Lust, ein paar Dutzend Wertpapiere bis in ihre Grundfesten hinein zu analysieren, zumal es ohnehin unsicher ist, ob wir damit am Ende wirklich schlauer sind. Sie werden auch nicht das wirklich beste Restaurant finden, wenn Sie vorher drei Tage lang alle Kritiken in ihrer Stadt analysieren. Vielleicht schmeckt es Ihnen sogar beim Drei-Sterne Koch gar nicht, weil Sie lieber Hausmannskost essen? Ins erstbeste Restaurant wollen wir aber auch nicht gehen, deshalb ist es sicherlich auch beim Wertpapierkauf eine vernünftige Strategie, ein paar Grundinformationen einzuholen, die nicht geeigneten Papiere auszuschließen und mit dem Rat der einen oder anderen Fachzeitschrift abzugleichen, was andere machen und erst dann zu kaufen.

An Fachzeitschriften mit regelmäßigen Firmenprofilen stehen z.B. Capital, Börse Online oder Focus Money zur Verfügung oder auch die Webseiten etwa des Handelsblatts. Börsenblätter gibt es enorm viele, gute wie weniger gute, man kann z.B. auf Wertpapierforum.de verschiedene Alternativen dazu einsehen (siehe auch Quellenverzeichnis). Denken Sie aber bei Gratisangeboten daran: Wenn etwas umsonst ist, liegt der Verdacht nahe, dass dahinter auch bestimmte Interessen stecken, deshalb ist es nicht falsch, für eine solide Zeitschrift ein wenig Geld auszugeben und sich nicht auf das kostenlose Info-Blatt ihrer Bank oder Sparkasse oder irgendeinen Börsenbrief zu verlassen, der sich interessant zu machen versucht, indem er ständig den Untergang des Finanzsystems prophezeit. Sie werden natürlich zunehmend lernen, meist nach der ein oder anderen guten oder schlechten Erfahrung, und im Übrigen sind ihrer Wissbegier auch keine Grenzen gesetzt. Aber die Praxis zeigt, dass Neulinge auch schnell ermüden und das Interesse wieder verlieren. Deshalb sollte man sich realistische Ziele setzen und das eigene Engagement auch in Relation zum investierten Betrag sehen

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Fazit: Strategie und persönliche Vermögenssituation

Sie sollten nicht in Wertpapiere investieren, weil es Andere tun, sondern sich klar machen, was Sie selber wollen und was zu ihrer finanziellen Situation passt. Bevor Sie ins Internet gehen, legen Sie einmal alle elektronischen Geräte weg, nehmen Sie Papier und Bleistift, bei größeren Investitionen darf es auch ein Füllhalter mit Goldkappe sein, und schreiben Sie auf, wo Sie in fünf Jahren finanziell stehen wollen. Dabei sollten Sie mit ihrem Geldvermögen maximal drei bis vier Schichten bilden:

  1. Die Liquiditätsreserve, d.h. etwa zwei bis drei Monatseinkommen als Reserve, weil das Auto oder der Kühlschrank kaputt geht, sollten Sie auf dem Girokonto behalten. Für eine bessere Übersicht empfiehlt sich ein monatlicher Cash-Flow Plan wie in Abschnitt 3.h.
  2. Eine zweite Schicht der Liquiditätsreserve stellen größere Beträge dar, die man zielgerichtet spart, z.B. für den Erwerb einer eigenen Behausung, für die Kinder, eine berufliche Auszeit, die Betreuung der Eltern oder ähnliches. In Zeiten von annähernden Nullzinsen ist die Anlage solcher Gelder nicht einfach: Aktien mögen langfristig steigen, aber es gibt eben auch Jahre (z.B. von 2000 bis 2003), in denen sie durchgängig fallen. Wenn Sie wissen, wann Sie das Geld brauchen, sind Anleihen ein sinnvolles Instrument, weil diese am Ende der Laufzeit zum Nennwert zurückgezahlt werden. Wenn der Zeitraum unklar ist, kann man einen Mix aus Anleihen, Aktien und Barguthaben wählen, wobei man auf die Wertpapiere einen Blick haben sollte und sie –vor allem die Aktien- u.U., auch einmal vorzeitig verkauft, wenn die Kurse gerade gut sind, und umgekehrt „Stop-Loss“-Grenzen einzieht, unter denen man sich ebenfalls von ihnen trennt.
  3. Den Betrag, den Sie nicht auf absehbare Zeit benötigen, können Sie dann als langfristige Anlage markieren. Hier sind eher solide Aktien renommierter Firmen mit vergangenem gutem „track record“ (so genannte „blue chip“-Aktien) in vernünftiger Branchen- und Ländermischung zu empfehlen, auch wenn Sie dabei vielleicht auf den ein oder anderen spektakulären Kursgewinn verzichten, als Zumischung Anleihen von sicheren Quellen, also Staaten oder auch Schuldverschreibungen solider Firmen. Vorher sollten Sie aber auch den Erwerb einer eigenen Behausung in Betracht ziehen. (siehe Kapitel 5.d bzw.12)
  4. Ist ihr Vermögen schon groß genug, dass Sie sich vielleicht einen Teil als eine Art Spielgeld abzweigen können, mit dem Sie dann auch spekulative Aktien, Zertifikate, Private Equity oder Hedgefonds-Anteile kaufen? Spielgeld sollten Sie aber nur anlegen, wenn Sie auch Zeit und Lust zum Spielen haben. Auch dafür benötigen Sie eine Strategie, denn wenn Sie Ihre Wertpapiere nur dann verkaufen, wenn Sie gerade gefallen sind und nur neue dazukaufen, die gerade gestiegen sind, dann spenden Sie das Geld lieber einer gemeinnützigen Organisation. Für eine Spielstrategie können Sie sich auch mit Gleichgesinnten und vorzugsweise einigen Erfahreneren zu einem „Aktienklub“ zusammentun.

S. 167-170:

Checkliste für Fintechs

  • Kundentyp und Risiko: Es ist nachvollziehbar, dass Fintech-Kredite gehäuft von Kunden nachgefragt werden, die bei Banken bereits abgewiesen worden sind oder die keine Lust haben, den Aufwand eines klassischen Kreditantrags bei der Bank zu treiben. Das ist sicherlich positiv für die Kreditnehmer, als Anleger sollte man das aber wissen und sein Risiko entsprechend einordnen.
  • Geschäftsbedingungen und Effektivzinsen: Als Kreditnehmer sollte man sich die Mühe machen, die Effektivzinsen nachzurechnen (siehe Kapitel 2), denn nicht selten addieren sich diese auf bis zu 35% im Jahr (Spiegel online 1.7.15), womit offensichtlich dann das Risiko „für Kredite ohne Schufa“ bereits elegant eingepreist wäre. Als Anleger muss man die Risiken kennen, auf die man sich einlässt und das Kleingedruckte auch durchlesen.
  • Personalaufwand:Finanzberatung ist personalintensiv und für so etwas haben Fintechs nicht genug Mitarbeiter. Zwar ist die Beratung der Hausbank auch oft interessengeleitet und basiert auf Vorgaben der hausinternen Analyseabteilung, aber einer Empfehlung einer Fintech, die meinen Kontostand, mein Einkommen und noch ein paar Angaben zu meiner Person in einen Finanzalgorithmus gefüttert hat, würde ich auch nicht unbedingt vertrauen. Lassen Sie von einer kumpelhaften Ansprache und einer App nicht beeindrucken, denn wenn Sie dieses Buch gelesen haben, wissen Sie wahrscheinlich selber mehr über Finanzen als eine algorithmusbasierte App Ihnen bieten kann. Was nicht bedeutet, dass Sie nicht andere Dienstleistungen wie z.B. Überweisungen per App erledigen können und im Übrigen: Auch auf diesem Gebiet gibt es Fortschritte und vielleicht schafft es ja einmal ein solcher Algorithmus, eine gezielte finanzielle Beratung durchzuführen. Bisher habe jedenfalls ich noch keine solche Wunder-App gesehen.
  • Bankenaufsicht:Für Kreditverleiher und auch Anbieter von Konten gelten in der Regel strenge Vorschriften, aber dennoch gibt es Fintech-Anbieter, die sich unterhalb der Grenze zur Bank durchmogeln und daher nicht als Bank gelten. Wer Einlagen annimmt, gilt als Bank, wenn Sie aber bei einer Institution, die in erster Linie Waren oder Dienstleistungen verkauft, vielleicht auch nur für einen Tag zur Bezahlung einer Rechnung oder aus einer Rückzahlung ein Guthaben stehen haben, so ist dies nicht von der Einlagensicherunggedeckt, die bei Banken immerhin bis 100 000 € gilt. Auch Peer-to-Peer Financing unterliegt (noch?) nicht der Einlagensicherung (Bafin Journal 5/07). Nicht wenige Fintechs bieten daher solche Leistungen dann letztlich doch über eine Bank an.
  • Tragfähigkeit von Geschäftsmodellen: Ein generelles Problem der gesamten Internetszene ist die verbreitete „Umsonst-Kultur“, die es Anbietern erschwert, ein Geschäftsmodell aufzubauen, das sich an fairen und transparenten Gebühren orientiert. Umsonst ist eben nicht umsonst, und deshalb werden Nutzerdaten verkauft, es wird Werbung geschaltet, die zu Abhängigkeiten führt, und nicht selten stellt ein Fintech nach einiger Zeit fest, dass die Einnahmen nicht ausreichen, um die Geschäftsidee außerhalb von anfänglicher Hobbybegeisterung finanziell tragfähig zu machen. Die Fintech-Szene ist im Pionierstadium und in dieser Phase wird es auch noch Fehlschläge geben.
  • Datenschutz: Einige der Methoden, z.B. die Auswertung von persönlichen Daten aus sozialen Medien, die empörte Ablehnung hervorrufen, wenn NSA oder BND sie anwenden, haben nicht verhindert, dass einige dieser Fintechs sogar Gründerpreise bekommen haben. Es dürfte auch klar sein, dass Ihre Daten, wenn sie Banking über soziale Medien betreiben, ausgewertet und weiter genutzt werden, wenn auch vielleicht nur zusammengefasst nach demographischen Kriterien. Auch wenn es Ihnen –wie vielen Menschen- egal ist, ob ihre Daten ausgewertet werden, sollten Sie sich bei sensiblen persönlichen Finanzdaten doch ein zweites Mal überlegen, ob das vielleicht irgendwann einmal, wenn Sie in eine finanzielle Notlage geraten, gegen sie verwendet wird. Beruhigendes „Blah-Blah“ wie „wir nehmen Ihre Privatsphäre sehr ernst“ oder ähnliches sind rechtlich vollkommen unerheblich. Auch der Schutz vor Hackern ist ein Thema: Hier geben die Geschäftsbanken hohe Beträge aus, um sich zu schützen und angesichts des oft dünnen Budgets der Fintechs ist es zumindest fraglich, ob Konten dort auch immer sicher sind.

Übrigens hält sich die Bedeutung der Fintechs trotz hoher Wachstumsraten noch in Grenzen: Der Marktanteil von Fintechs in Deutschland noch bei unter einem Prozent.

Dass man vorsichtig sein soll, bedeutet aber auf keinen Fall, dass man Fintechs pauschal ablehnen darf. Es gibt viele pfiffige Angebote und noch eine Menge Potential und es dürfte auch nicht schaden, wenn die Banken Konkurrenz bekommen. Gerade Paypal hat ja demonstriert, dass Überweisungen etwa ins Ausland auch unkomplizierter und vor allem billiger möglich sind als dies die Banken bislang angeboten haben und warum soll man für Bankgeschäfte keine Apps benutzen, wenn sie sicher sind?

Wenn ich selbst denken kann bei finanziellen Entscheidungen, bin ich auch in der Lage, die Spreu vom Weizen zu trennen und selbst zu entscheiden, welches Fintech-Konzept ich gut finde. Dazu darf ich aber nicht einfach anklicken, sondern muss auch das Kleingeduckte lesen und verstehen.